Aufgabenvielfalt für Kunsttherapeuten in Deutschland

Kunsttherapie ist eine noch junge Disziplin, deren Wurzeln erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts liegen und die eine Weiterentwicklung von europäischen und amerikanischen Ideen darstellt.

Heute weiß man, dass Kunsttherapie für Patienten verschiedenster Krankheitsbilder die Möglichkeit bietet, ihre Gedanken und Gefühle bildnerisch oder plastisch darzustellen. Man geht dabei davon aus, dass jeder Mensch ein Grundbedürfnis nach gestalterischem Ausdruck besitzt und deshalb jeder, auch ohne große Erfahrung in künstlerischem Gestalten, an einer Kunsttherapie teilnehmen kann. Die entstandenen Werke geben Hilfestellung, seine eigenen Denkstrukturen und Handlungen besser zu verstehen und gegebenenfalls zu verändern oder weiterzuentwickeln. Der Kunsttherapeut bietet dabei Unterstützung beim Anwenden der Materialien oder setzt Impulse, wenn ein Patient nicht weiter weiß. Außerdem moderiert er die Bildbesprechung, die oft nach der Gestaltungsphase einsetzt.

Kunsttherapie kann in Einzelsitzungen oder in Gruppen stattfinden. Wichtig ist bei beiden Formen ein gefestigtes Vertrauensverhältnis zwischen dem Patienten und seinem Therapeuten. Als Besonderheit tritt bei dieser Therapieform noch das Werk und seine Außenwirkung hinzu, das als eine Art dritte Instanz auch unaussprechliche Inhalte – wie sie beispielsweise nach einer Traumatisierung auftreten können – ausdrücken kann. Allgemeine Ziele dieser Therapieform sind es, die physische und psychische Gesundung des Patienten wiederzuerlangen, Selbstheilungskräfte zu aktivieren und krisenhafte Zustände zu überstehen. Außerdem besteht die Möglichkeit für den Patienten, seine Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Meist hat der Patient freie Auswahl an verschiedensten Wasser- und Acrylfarben oder Kreiden; er kann seine gestalterischen Fähigkeiten aber auch mit Hilfe von Ton oder Speckstein ausleben.

Wer sich für eine Kunsttherapie Ausbildung interessiert, hat verschiedene Möglichkeiten: Man kann Kunsttherapie entweder an der Hochschule studieren, aber auch an speziellen Aus- oder Weiterbildungen an verschiedensten Instituten und Akademien teilnehmen. Wer sich für ein Studium entscheidet, muss neben dem Abitur auch eine Mappe mit eigenen Werken vorweisen können und Interesse am Umgang mit Menschen haben. Zwei Praktika an kunsttherapeutischen Einrichtungen sind Pflicht. Das Studium dauert in der Regel vier Jahre und endet mit dem Diplom oder einem Master- oder Bachelorabschluss. Außerdem werden Studiengebühren erhoben. Bei einer Aus- und Weiterbildung ist zu beachten, dass bei fast jedem Lehrgang eigene Vorschriften und Schwerpunkte gesetzt werden und auch die Dauer variiert, je nachdem, welche kunsttherapeutische Richtung jeweils bevorzugt wird. Die wichtigsten Bausteine der Ausbildung sind aber vor allem eine intensive Schulung in Malerei, Grafik, Plastik und Theater. Auch medizinische, therapeutische, pädagogische und psychologische Aspekte spielen eine große Rolle während der Ausbildung. Nach bestandener Prüfung kann ein Kunsttherapeut eine Stelle in einer psychatrischen oder psychosomatischen Klinik finden, in Altenheimen oder Sonderschulen, aber auch selbst eine Praxis eröffnen.